Im Land des Lächelns

Seit einer Woche bin ich nun in Thailand.

 

Es war eine recht spontane Entscheidung für zweieinhalb Wochen Europa zu verlassen, mit großer Lust auf Sonne, Wärme und einem klaren, blauen Meer, in dem ich baden kann. Flip Flops statt Socken zu tragen. Tops und luftige Kleider statt Jacke und Hose. Draußen zu sitzen zu jeder Tages- und Nachtzeit!

 

Ein Nachtflug der Thai Air bringt mich von Frankfurt nach Bangkok, dann weiter mit einem Inlandsflug auf die Insel Phuket. Ich war noch nie zuvor in Thailand und hatte keine wirkliche Vorstellung von dem Land an sich und bezüglich der Unterschiede zwischen den thailändischen Inseln. Wie meistens habe ich mich vorher auch nicht “eingelesen”, sondern das Land auf mich zukommen lassen. Jetzt weiß ich, dass Phuket die größte Insel Thailands ist und pauschal-touristisch sehr ausgebaut, mit einem “Ballermann”-Gebiet namens Patong, sowie schönen, ruhigen Ecken. Phuket liegt ca. 800 km südlich von Bangkok und nördlich von Malaysia und Indonesien, zehn bis elf Flugstunden von Frankfurt entfernt, mit fünfstündiger Zeitverschiebung verglichen mit der europäischen Sommerzeit. 

 

Beim Verlassen des modernen Flughafens in Phuket schlägt mir ein heißer, feuchter Luftteppich entgegen. 34 Grad tagsüber und 26 Grad nachts bei ca. 80% Luftfeuchtigkeit - es wird etwas dauern bis mein Körper sich daran gewöhnt hat. Die Luft ist geschwängert mit diversesten Gerüchen von Hitze, Menschen, Sonne, Abgasen, Essen, und bei der einstündigen Fahrt mit dem Taxi bekomme ich einen ersten Eindruck. Es wirkt auf mich zivilisierter als Indien - ausgebaute Straßen, gute Autos - und die Menschen freundlich, geschäftig in ihren offenen Wellblechhütten und gemauerten Gebäuden am Straßenrand. 

 

Mein Ziel ist Kata Beach an der Südwestküste, ein kleiner, quirliger Ort, in dem es alles gibt was der Tourist an teuren und billigen Unterkünften, thailändischen und westlichen Restaurants sowie Einkaufsmöglichkeiten braucht. Ein schöner, breiter, feinsandiger Strand mit blau-türkisfarbenem Wasser namens Kata liegt eingebettet in einer geschützten Bucht. Zehn Minuten südlich zu Fuß schließt sich eine weitere Bucht mit dem noch schöneren Strand Kata Noi Beach an, und nördlich liegt Karon Beach, der fast drei Kilometer lang ist, und damit der drittlängste Strand auf der Insel. Überall kann man schnorcheln, tauchen, surfen. Überall leichtbekleidete Weiße und normalbekleidete Thais, zu Fuß, auf Mopeds, in Tuk Tuks und offenen Bussen. 

 

Und warum nun gerade Phuket? Warum gerade Kata Beach? 

 

Über einen Podcast habe ich im Februar von Veronika Sauer erfahren, einer Frau aus Thüringen, die seit vielen Jahren Rohkostseminare, Leber- & Gallenreinigung, Basenbäder, Schwermetallausleitung und dergleichen anbietet. Das hat mich nach der Fastenkur auf Gozo (siehe letzten Blogartikel) angesprochen und ich kontaktierte sie im März spontan per eMail. Erst da erfuhr ich, dass sie jedes Jahr von ca. Februar bis April auf Phuket lebt, und dort Kokoswasserfasten und Leber- & Gallenreinigungen anbietet. Spontan sagte ich zu, ohne Genaueres über den Ablauf zu wissen, ich folgte einfach einem Gefühl. 

 

Und nun bin ich also da. Veronika nimmt mich nach der langen Reise in Empfang und ich wähle mir ein schönes, helles, großes Bungalow-Doppelzimmer mit Bad, Balkon und Meerblick aus, das ich für fünfzehn Nächte zu 1.600 BAHT (ca. EUR 40 pro Nacht) beziehe, fünf Minuten zu Fuß vom Strand weg. Ich stelle fest, dass Veronikas Gäste über verschiedene Bungalow-Anlagen in der Nähe verteilt wohnten, je nach Wunsch und Budget. Dies ist tatsächlich eines der teuersten Bungalows - ich erkenne, dass es sich in Thailand gut und günstig leben lässt, wenn man das möchte. Allerdings ist natürlich auch ein Hotel-Anlagen-Urlaub für EUR 200 und mehr pro Nacht zu haben, die Vielfalt ist groß. In meinem Hinterkopf halte ich mir die Option offen ein Hotel zu beziehen, wenn der private Bungalow doch nichts für mich ist. 

 

Es braucht drei Tage um mich einzugewöhnen. Die schwüle Hitze, auch nachts, der Verkehrslärm im Ort, etwas Jetlag und das quirlige Thai- & Touristenleben gehen mir am Anfang auf die Nerven und verursachen mir Kopfschmerzen. Ich lasse mich ankommen und beschliesse das Fasten erst in der zweiten Woche anzugehen. Ich gewöhne mich langsam daran, am täglichen Leben hier teilzunehmen, an den Straßenständen im Ort frisches Obst und Wasser einzukaufen für die Verpflegung tagsüber, in dem herrlichen Wasser des tropischen Meeres zu schwimmen, die Menschen am Strand zu beobachten und durch die Shops zu streifen.  Für ein paar thailändische BAHT kann ich jederzeit und an jeder Ecke frische exotische Früchte, junge, grüne Kokosnüsse und gedämpften Mais kaufen oder eine Thai-Massage genießen und in wenigen Minuten bin ich, wann immer ich will, in warmem, weichem Wasser zum Baden und Schwimmen, ohne auf Steine oder Quallen zu treffen - die Strände hier sind echt ein Traum, sogar im sanften, warmen, tropischen Regen, der ab und zu meist gegen Mittag fällt. Die Kokosnuss fasziniert mich und ich kaufe jeden Tag mindestens eine, um das köstliche Wasser zu trinken und das Fleisch der Kokosnuss zu essen - kein Vergleich mit den braunen Früchten die es bei uns zu Hause gibt.  

 

In der ersten Woche treffe ich Veronika und die anderen Gäste meist einmal pro Tag für eine gemeinsame Aktivität, zum Beispiel machen wir eine dreistündige Bergwanderung mit toller Aussicht über die drei Buchten, bei der wir Mangos vom Baum essen, Elefanten sehen und Cassia Fistula sammeln, die tropische Frucht, mit der bei Veronikas Fastenkuren das Abführen auf viel sanftere Weise geschieht als durch Glaubersalz und Einläufe. 

 

Wir fahren mit Tuk Tuks und Bussen zu tollen Rohkost-Restaurants (zum Beispiel dem Atsumi Raw Café, Natural Efe Macrobiotic World, O-Oh Café Karon) und besuchen den großen Markt, der zweimal wöchentlich auf einem großen Platz im Ort stattfindet und von Kleidung über Gemüse bis ausgenommenen Hühnern alles anbietet. Dort kaufen wir das grüne Gemüse für den Smoothie, den es jeden Morgen frisch gemixt von Veronika gibt. Es ist recht lustig in der bunt zusammengewürfelten Gruppe von Menschen, die hier aufeinander treffen, und Veronika ist ein wandelndes Gesundheitslexikon, der zuzuhören wirklich Spaß macht. Mit ihr gehe ich auch zum ersten Mal zum Hot (Bikram) Yoga, das in einem Studio gleich nebenan dreimal täglich angeboten wird. Das Yoga dort ist sicherlich Geschmacksache, aber die Idee, bei 40 Grad 90 Minuten dynamisch zu praktizieren, hat was, der Schweiß rinnt in Bächen und man fühlt sich danach wie nach einem Dampfbad…die Außentemperatur erscheint dagegen fast frisch…

 

Die Karwoche und das Osterwochenende vergehen wie im Flug und ich komme mir vor, als sei ich schon einige Wochen hier. Europa und all die Dinge die mich dort gerade beschäftigen sind meilenweit weg. Und doch wieder nicht, da sich die Grundfragen auch hier, und besonders hier stellen: 

 

Wie will ich leben? 

Was will ich wählen für mich? 

Was fühlt sich gut an? 

Ist dies “nur” ein Urlaub, um Kraft zu schöpfen für die nächsten Monate im Büro bis zum nächsten Urlaub im Sommer?

Oder möchte ich mal gerne in etwas anderes eintauchen, für eine Zeitlang woanders leben und/oder arbeiten?

Möchte ich Möglichkeiten erlauben die bisher nicht sichtbar waren?  

 

Zu reisen heißt nicht unbedingt an einem anderen Ort die gleichen Dinge wie zu Hause zu tun, wie es mir bei den meisten Touristen hier vorkommt. Morgens aufstehen, frühstücken, zum Strand, mittagessen, zum Strand, shoppen, duschen, abendessen, Nachtleben. 

Auch nicht von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit zu rennen, wobei man bei dem dritten Tempel vergessen hat, wie der erste hieß. 

 

Ich freue mich, nicht in einem Pauschalhotel zu wohnen, sondern in einem privaten Bungalow mit Selbstverpflegung und lokalen Transportmitteln. 

Ich freue mich, Menschen kennenzulernen die eine andere Perspektive und Lebenseinstellung haben, auch wenn ich diese nicht unbedingt immer teile. 

Ich freue mich, die Vielfalt von Möglichkeiten zu sehen, wie Leben geht. 

 

Hier ist es eben so. Und woanders ist es woanders. Ich nehme mich sowieso immer mit, egal wohin ich gehe, und erfahre mich selbst in der neuen Umgebung. 

 

Meine Antworten sind schon in den Fragen enthalten, wenn ich den Fragen, die ich stelle, nachspüre und zuhöre; wenn ich mir selbst zuhöre. 

 

Leben ist aufnehmen, erfahren und loslassen. Immer wieder. Der Kreislauf des Lebens ist Veränderung. 

So wie der Atem nicht nach dem Einatmen stoppen kann und essentiell das Ausatmen braucht um den Kreis des Lebens zu schließen, braucht auch das Leben immer wieder ein erlauben, loslassen, freigeben, damit Neues hereinkommen kann. 

Dieses Erlebnis spüre ich körperlich durch das bewusste Atmen und das Loslassen im Fastenprozess, das ich nun mit der Cassia Fistula beginne. 

 

Und zum Schluß: 

 

Ich habe diese Woche zwei inspirierende Filme gesehen, die Thailand auf unterschiedliche Weise wunderbar wiedergeben:

- Patong Girl (ein deutscher Film aus dem Jahr 2014) 

- The Beach (mit Leonardo di Caprio aus dem Jahr 2000)

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Andrea Schwarzenbarth (Montag, 02 April 2018 17:52)

    Schön von Dir zu lesen! Danke und liebe Grüße, Andrea �

  • #2

    marga (Montag, 02 April 2018 18:31)

    toller artikel
    das ist auch noch mein Traumziel !
    liebevolle GrÜsse
    Marga

  • #3

    Karola (Montag, 02 April 2018 22:31)

    Herzlichen Dank Dani, es ist immer wieder ein ganz besonderes Vergnügen deine Erlebnisberichte zu lesen. So lebendig, einfach herrlich �

    Mit liebem Gruß
    Karola