05. April 2019
Ich ergebe mich. Ich ergebe mich den Dingen - Sie dürfen sich ergeben. Es ergibt sich. Es ergibt sich eine Möglichkeit, In die ich mich ergebe… …hergebe. Ich gebe mich her. Ich gebe mich her für eine Möglichkeit. Ich gebe her - Ich gebe her meine Ängste und Zweifel, Gebe sie auf. Ich gebe auf. Ich gebe auf den Kampf, den Widerstand - Ergebe mich in mein Sein. Dann kann sich was ergeben. …ohne mich herzugeben.
24. März 2019
Im Café Central esse ich fettiges, cremiges Rührei mit gebratenen Champignons. Versinke in weichem, dickem Möhrenbrot und schwerem Kakao. Der kalte, feuchte Wind hat mich aus dem abgebrochenen Literaturspaziergang hierhergetrieben; die zugigen Passagen und Höfe und das Warten auf das Interessante waren plötzlich unerträglich geworden. Gestern war noch Sommer. Plötzlich überstürzte Lust abzureisen, ich scrolle durch die Zugfahrpläne und entscheide neu. Manchmal wird die Freiheit...
23. Februar 2019
Samstag, 10 Uhr, ich sitze im Zug. Grüne Wiesen und norddeutsche Backsteinhäuser fliegen an mir vorbei. Ich bin auf der Rückreise von der Insel Sylt, wo ich eine Woche zum Vitalfasten bei Fasten Ahlers war. Ich fühle mich gut; frisch, wach, der Gürtel sitzt lockerer als vor einer Woche. In meinem Abteil sitzen fünf Menschen, die Wurstbrote, Kekse, Kuchen und Laugenbretzeln vertilgen, ich trinke Tee. Ich denke zurück an meine Hinreise vor einer Woche, mit dem Zug von Koblenz nach Sylt in...
20. Januar 2019
Gib den Tag nicht auf Leuchte in der Nacht Das Innere verteilt sich Frei Er hebt den Kopf von seinem Notizblock, lässt den Stift sinken. Durch das kleine Sprossenfenster seiner winzigen Dachkammer scheint die Nachmittagssonne herein. Letzte Nacht hat es geschneit und die Äste der kahlen Bäume blitzen weiß. Er sitzt an dem kleinen, ovalen Tisch aus dunklem Holz. Den Heizkörper unter der Fensterbank hat er aufgedreht, trotzdem friert er. Lust auf eine Zigarette. Das kommt in letzter Zeit...
13. Januar 2019
Die Katze fühlt sich weich an; weich, sanft und warm. Ella streichelt behutsam ihr tiefschwarzes Fell, spürt die Formen des schmalen Katzenkörpers unter ihren Händen, den Kopf, der sich reckt. Wo kommt sie wohl her? Ella schaut sich um. Die Straße ist verwaist, liegt in dichtem Nebel. Wieder mal ein grauer Tag, an dem man erwartet, dass es irgendwann hell wird, aber dann wird es schon wieder dunkel. Die Katze schaut sie mit großen, dunklen Augen an. Ella erhebt sich aus ihrer kauernden...
01. Dezember 2018
Das Hineinspringen in die Geschichte ist das einzig Mögliche. Jetzt. Absprung. Eintauchen in die Tiefe. Fanny hob den Kopf und blickte durch die schmutzige Scheibe hinaus in den Regen. Es roch nach nasser Kleidung und Haferkeksen, die die kleine Frau vor ihr mechanisch kaute. Der Bus ruckelte gelegentlich und die stehenden Passanten wogen sich wie alte Pappeln im Wind. Sie umklammerte ihre Mappe auf dem Schoß, mit engen Schultern, eingepfercht, die Knie zusammengepresst, um ihren breiten...
28. September 2018
„Ich habe keine Zeit zum Schreiben.“ „Ich kriege gerade keine Zeile hin.“ An dieser Stelle müssten jetzt eigentlich Tipps kommen, wie man trotz vielem anderem im Leben doch noch zum Schreiben kommt, und wie man Schreibblockaden überwindet. Kommen aber nicht. Ich habe viel Zeit zum Schreiben. Ich könnte es ständig tun! Tue es aber nicht. Für mich ist es ganz einfach: Habe ich jetzt Lust zu schreiben? Ja! Nun, dann schreibe ich. Nein! Nun, dann tue ich etwas anderes. Wenn es ein...
23. September 2018
Ich liebe Bücher und Filme über das Schreiben. Es ist, als ob ich mich mit guten Bekannten umgebe. Mit Menschen, die so ticken wie ich. Ich liebe das Schreiben und so interessiert es mich, wie und was andere Menschen schreiben, warum sie schreiben, was sie dabei erleben. Es ist wie ein Beweis, dass es sie wirklich gibt, diese Schriftsteller. Natürlich kenne ich die Namen, die auf den Büchern stehen, weiß von den großen Schriftstellern. Aber es sind eben abstrakte Namen und vielleicht noch...
11. August 2018
Ich sitze im Wald. Bin losgewandert, barfuß in Sandalen, kurze Hose, Wasser auf dem Rücken, wie zu einer großen Tour. Aufwachen, aufbrechen und immer weitergehen. Einen Fuß vor den anderen setzen. Erst der harte Beton unter meinen Füßen; schnelle Schritte, um aus dem Dorf herauszukommen und runter vom Asphalt. Bei der alten Mühle biege ich ein, steige eine verwachsene Steintreppe hinab, hüpfe über große Steine durch das Bachbett auf die große Wiese. Von fern höre ich die Autos noch;...
04. Juni 2018
Klara hatte schon lange nicht mehr gemalt. Und dann plötzlich war es wieder da, das Gefühl für Farben. Unvermittelte Momente, in denen Gelb oder Grün ohne Vorankündigung in ihr aufstiegen, vor ihren Augen explodierten und große Freude mitbrachten. Sie fühlte wieder, wie es ist, vor einem großen Blatt zu stehen, den Pinsel langsam anzusetzen und eine Farbe aufzutragen, eine Spur zu hinterlassen. Nach Pfingsten wurde der Wunsch stärker, es wieder zu versuchen. Die Energie hatte sich...

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